Ist Europa für den Internetkrieg gerüstet ?
11.11.2010 - Das Gespenst des Internetkriegs geht um. Härtere Strafmaßnahmen und mehr Koordinierung zwischen Europas Sicherheitsdiensten waren zwei Themen der Anhörung des parlamentarischen Unterausschusses für Sicherheit und Verteidigung am 25. Oktober.
Quelle: Presseberichte des EU-Parlaments
Der polnische Abgeordnete Krzysztof Lisek (EVP), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses, warnte vor den Gefahren der Internetkriegsführung: „Wir erinnern uns alle an das, was in Estland und Georgien passiert ist, und wir sind uns der Wichtigkeit dieses Themas bewusst“.
Mehr Gewicht für die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit
Im Jahr 2004 gründete die Europäische Union die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) zum Austausch wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse. Jüngste Vorschläge zielen auf die Stärkung dieser Behörde durch Koordinierung der Aktivitäten aller europäischen Staaten und durch Maßnahmen zur Erhöhung der Internetsicherheit.
Zusätzlich sind für Planer und Ausführende von Internetangriffen höhere Haftstrafen – zwischen zwei und fünf Jahren – vorgesehen.
„Botnetze“ verursachen wirtschaftliche Schäden
Eine der gefährlichsten Angriffsformen ist die Nutzung von „Botnetzen“, wobei eine große Zahl von Computern zeitgleich gekapert und als „Roboterarmee“ benutzt wird, ohne dass die Besitzer dies mitbekommen.
Dies kann ernste wirtschaftliche Folgen haben. Ein großer Ausfall der kritischen Informationsinfrastrukturen (KII) würde laut Weltwirtschaftsforum geschätzte weltweite Kosten in Höhe von 250 Milliarden USD verursachen. Dies könnte sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 % bis 20 % im Verlauf des nächsten Jahrzehnts ereignen.
Indes können Internetangriffe gegen staatliche Stellen auch weniger schwer wiegende Folgen haben. Krzysztof Lisek merkte ironisch an, dass „die Website des polnischen Präsidenten einst von einem Hacker angegriffen und auf eine Seite für Erwachsene umgeleitet wurde. Einige Journalisten haben im Nachhinein bemerkt, diese sei interessanter als das Original.“




