Auf dem Weg zur Stabilitätsunion
09.12.2011 - Schlussfolgerungen aus der Tagung des Europäischen Rates - Die am Euro-Plus-Pakt teilnehmenden Mitgliedstaaten haben vereinbart, konkretere und messbare Verpflichtungen einzugehen. 17 Staaten der Eurozone und viele andere haben sich zu einem neuen "fiscal compact", zu neuen Europäischen fiscalischen Grundsätzen verpflichtet.
Quelle: EU-Kommission
Auszug aus den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates zur
Wirtschaftspolitik
1.
Angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen und finanziellen
Lage hat der Europäische Rat die derzeitigen Anstrengungen, mit denen
Europa aus der Krise geführt werden soll, erörtert. Die neue
wirtschaftspolitische Steuerung der Europäischen Union
muss – wie in Nummer 3 dargelegt – ohne Abstriche verwirklicht werden,
damit Vertrauen in die Stärke der europäischen Wirtschaft geschaffen
wird. Die strukturellen Reformen und Anstrengungen zur
Haushaltskonsolidierung müssen fortgesetzt werden, um den Boden für
eine Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum zu bereiten und damit schon bald
zur Stärkung des Vertrauens beizutragen. Außerdem müssen Maßnahmen zur
Wiederherstellung einer normalen Kreditversorgung der Wirtschaft
ergriffen werden; dabei muss sowohl eine übermäßige Risikobereitschaft
als auch eine übermäßige Verringerung des Kreditvolumens vermieden
werden, wie am 26. Oktober 2011 vereinbart.
2.
Der Europäische Rat betont unter Hinweis auf die von ihm im Oktober
2011 benannten vorrangigen Bereiche, die für das Wachstum entscheidend
sind – insbesondere die Binnenmarktakte, der digitale Binnenmarkt und
der Abbau des gesamten durch Vorschriften bedingten
Verwaltungsaufwands für KMU und Kleinstunternehmen –,
dass die Maßnahmen mit dem größten Potenzial für mehr Wachstum und
Arbeitsplätze rasch ergriffen werden müssen. Er befürwortet daher
grundsätzlich ein beschleunigtes Programm und fordert den Rat und das
Europäische Parlament auf, der raschen Prüfung der Vorschläge, denen
die Kommission unter anderem auch in ihrem Jahreswachstumsbericht
erhebliches Potenzial für die Wachstumsförderung bescheinigt,
besonderen Vorrang zu geben. Er billigt die Maßnahmen, die die
Kommission in ihrem Bericht über die Verringerung der Verwaltungslasten
für KMU vorgeschlagen
hat.
3.
Der Jahreswachstumsbericht 2012 ist eine hervorragende Grundlage für
die Einleitung des nächsten Europäischen Semesters – des ersten
Semesters, in dem die jüngst intensivierte wirtschaftspolitische
Steuerung angewandt wird, zu der auch das neue Verfahren zur
Überwachung und Korrektur makroökonomischer
Ungleichgewichte gehört. Der Europäische Rat wird auf seiner
Frühjahrstagung die Fortschritte prüfen und den erforderlichen
Orientierungsrahmen vorgeben. Dabei muss – insbesondere angesichts der
ungleichmäßigen Fortschritte, die in diesem Jahr hinsichtlich der Ziele
der Strategie Europa 2020 und bei der Umsetzung der länderspezifischen
Empfehlungen erreicht wurden – dringend die Durchführung in den
Mittelpunkt gestellt werden.
4.
Die Staats- und Regierungschefs der am Euro-Plus-Pakt
teilnehmenden Mitgliedstaaten haben die Fortschritte bei der Umsetzung
ihrer nationalen Verpflichtungen geprüft. Sie sind sich darin einig,
dass die nationalen Anstrengungen zum Erreichen der Ziele des Pakts im
März 2012 eingehender beurteilt werden müssen. Sie haben ferner
vereinbart, für jeden der Aktionsbereiche des Pakts konkretere und
messbare Verpflichtungen vorzusehen und über die Fortschritte bei der
Durchführung ihrer nationalen Reformprogramme Bericht zu erstatten. Im
Einklang mit den Schlussfolgerungen des Rates vom 1. Dezember 2011 muss
die neue wirtschaftspolitische Steuerung um eine bessere Beobachtung
der beschäftigungs- und sozialpolitischen Maßnahmen ergänzt werden, und
zwar insbesondere der Maßnahmen, die Auswirkungen auf die
gesamtwirtschaftliche Stabilität und das Wirtschaftswachstum haben
können.
5.
Die Staats- und Regierungschefs haben auf der Grundlage des Berichts
des Präsidenten des Rates (Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und
Verbraucherschutz) und des Jahreswachstumsberichts einen ersten
Gedankenaustausch über bewährte Vorgehensweisen in der
Beschäftigungspolitik geführt; sie sind sich darin einig, dass für die
Zwecke des Wirtschaftswachstums insbesondere der Faktor Arbeit in jeder
Hinsicht mobilisiert werden muss. Die Strukturreformen
müssen zwar energisch vorangebracht werden, doch sind auch gezielte
Maßnahmen für die schwächsten Bevölkerungsgruppen, insbesondere die
jugendlichen Arbeitslosen, sowohl auf nationaler als auch auf
europäischer Ebene dringend erforderlich. Verstärkte
Aktivierungsmaßnahmen sollten durch Maßnahmen zur Verbesserung der
Qualifikationen ergänzt werden, insbesondere dadurch, dass die Systeme
der allgemeinen und beruflichen Bildung an die Bedürfnisse des
Arbeitsmarkts angepasst werden. Die Förderung von Beschäftigung und
unternehmerischen Möglichkeiten für diejenigen, die in den Arbeitsmarkt
eintreten, und die Möglichkeit neuer ausgewogener Flexicurity-Maßnahmen
könnten erheblich zur Verbesserung der Aussichten junger Menschen auf
dem Arbeitsmarkt beitragen.
6.
Die Staats- und Regierungschefs begrüßen den Bericht der Finanzminister
der teilnehmenden Mitgliedstaaten und den Bericht der Kommission über
die Fortschritte bei den strukturierten Beratungen über die
Koordinierung der Steuerpolitik. Diese Beratungen
werden im Einklang mit dem Euro-Plus-Pakt fortgesetzt, wobei der
Schwerpunkt auf die Bereiche gelegt wird, in denen ehrgeizigere
Vorhaben ins Auge gefasst werden können. Besondere Aufmerksamkeit
sollte dabei der Frage gelten, wie die Steuerpolitik die
wirtschaftspolitische Koordinierung unterstützen und zur
Haushaltskonsolidierung und zu Wachstum beitragen kann. Die
Finanzminister und die Kommission werden im Juni 2012 über die
Fortschritte Bericht erstatten.
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Der
Pressebericht zu den Schlussfolgerungen informiert des weiteren
über die Schwerpunkte
Energie und Erweiterung.
Stellungnahme von Präsident Van Rompuy nach dem Treffen
Stellungnahme der Staats- und Regierungschefs des Euroraums




